„Der liebe Gott war diesmal kein Brasilianer“



Brasilien – Frankreich n.V 1:1 (1:1, 1:1), n.Elfm. 3:4, Estadio Jalisco Guadalajara/Mexiko, WM 1986 Viertelfinale, 21. Juni 1986, youtube

Es galt als eines der besten WM-Spiele aller Zeiten: Brasilien und Frankreich lieferten sich im Viertelfinale der WM 1986 in Mexiko ein Duell mit allen Finessen, die den Fußball so schön machen. 1:1 stand es nach 120 Minuten, Frankreich gewann im Elfmeterschießen mit 4:3. Den letzten brasilianischen Strafstoß setzte der spätere Dortmunder Julio Cesar an den Pfosten. 

Die WM 1986 in Mexiko, was blieb davon in Erinnerung? Natürlich die „Hand Gottes“, Diego Maradonas regelwidriges Tor gegen England und danach sein wahnsinniger Alleingang zum 2:0. Eine deutsche Mannschaft, die gefühlt nur aus Innenverteidigern bestand und dennoch das Finale gegen Argentinien erreichte. Dort machte ausgerechnet der vorher herausragende Torhüter Toni Schumacher einen Fehler. Und dann das Duell zwischen Brasilien und Frankreich – die technisch besten Teams des Turniers. Nur leider trafen sie schon im Viertelfinale aufeinander.
Auch damals tat die FIFA alles für den schnöden Mammon. So kickten die Mannschaften um 12 Uhr Ortszeit, damit die Spiele zur besten Sendezeit in Europa laufen konnten. Auf dem Rasen in der Sonne lag die Temperatur dann schon mal bei 34 Grad wie an diesem Tag in Guadalajara, an anderen Orten war es sogar noch heißer.
So wirkt das Spieltempo anfangs auch etwas behäbig, doch das täuscht oft im TV. Beide Teams kombinierten souverän, die individuelle Klasse der Spieler war herausragend. „Was ein Pass“, applaudierte ZDF-Kommentator Rolf Kramer etwa bei einem Anspiel des französischen Regisseurs Michel Platini.


 


Zico sollte das Spiel noch mal beleben. Doch der Brasilianer vergab einen Elfmeter.

Aber auch die Brasilianer, die etwas stotternd ins Turnier gestartet waren, brillierten. „Ihre bislang beste Leistung beim Turnier“, stellte Kramer fest. Nicht nur ihr 1:0 war Fußball zum Genießen: Junior und Muller kombinierten, Careca vollendete.
„Frankreich ist beileibe nicht schlecht“, meinte Kramer. Aber die „geschmeidigen“ Brasilianer hatten es ihm noch mehr angetan. Doch die Franzosen mit dem starken Mittelfeld Fernandez, Giresse („Gigi, wie sie ihn nennen, den kleinen Mann“), Tigana und Platini fanden ihre Kreativität schnell wieder.
Ihr Ausgleich zum 1:1 war Fußball aus dem Lehrbuch: Rocheteau flankte und Platini vollendete. In der Pause analysierten beim ZDF die Altmeister Harry Valerien und Dettmar Cramer das Spiel. Cramer bewunderte „die Ruhe der Spieler am Ball, die man aber nur haben kann, wenn man diesen perfekt beherrscht.“

Bats wird zum Elfmeterhelden 

Nach der Pause ging der Schlagabtausch weiter. Beide Teams erarbeiteten sich Chancen, beide Torhüter aber hatten einen guten Tag. Die brasilianischen Fans forderten Zico, den vorher lange verletzten Spielmacher. In der 72. Minute kam er dann, zwei Minuten später zauberte er einen Traumpass auf Branco, den Bats nur noch per Foul stoppen konnte. Doch das Drama ging weiter: Zico scheiterte mit seinem Strafstoß am französischen Keeper.  
Das Spiel wogte hin und her, doch trotz bester Möglichkeiten blieb es beim 1:1. Verlängerung, das technische Niveau bleib weiter hoch, doch Tore fielen keine. Es ging ins Elfmeterschießen: Bats hielt den ersten Strafstoß von Sokrates, danach trafen für Frankreich Stopyra, Amoros und Bellone, für Brasilien waren Alemao, Zico und Branco erfolgreich. Ausgerechnet der überragende Platini verschoss für Frankreich, doch Julio Cesar, der spätere Dortmunder, schoss den Ball an den Pfosten. Der unermüdliche Fernandez verwandelte zum französischen Sieg.
Damit scheiterte Brasilien mit Trainer Tele Santana zum zweiten Mal mit viel Pech bei einer Weltmeisterschaft. Frankreich aber traf wie 1982 auf Deutschland im Halbfinale – und unterlag erneut. Diesmal mit 0:2 gegen eine deutsche Mannschaft, die in diesem Spiel auch spielerisch überzeugte. Wieder blieb für diese große französische Elf nur das Spiel um Platz 3.



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