Immerhin kein Debakel für Schalke


FC Schalke 04 – FC Bayern München (0:1), Veltins-Arena Gelsenkirchen, DFB-Pokal Viertelfinale, 03.03.2020, Das Erste

Die positive Nachricht: Schalke 04 verlor nur 0:1 gegen den FC Bayern München und verkaufte sich gegen den Rekordmeister ganz passabel. Die negative: Schalke ist raus aus dem DFB-Pokal, die Bayern wie fast immer in den letzten Jahren im Halbfinale 

Sportlich schien es nur wenig aufregend: Der FC Bayern hatte die letzten Spiele sehr überzeugend gewonnen, der FC Schalke 04 taumelt derzeit hingegen in den sportlichen Abgrund. Ein klarer Erfolg der Münchner wäre standesgemäß. Viel spannender war hingegen die Frage, ob es wieder Fanproteste gegen Hoffenheims Dietmar Hopp geben wird. Der Schalker Vorstand hatte schon früh erklärt, dass  die Mannschaft dann den Platz verlassen werde. Was die eigenen Ultras überhaupt nicht gut fanden. 
Das Spiel begann dann auch mit „Fußballmafia DFB“ Sprechchören. Im Schalker Fanblock gab es zudem drei große Banner mit dem Schriftzug „Dementer Fußballbund – Zusagen wegen Kollektiv-Strafen vergessen. Wollt ihr uns nun mit Spielabbruch erpressen?“, dazu diverse kleinere Plakate. Aber nichts Beleidigendes – und die Fans beschränkten sich wie die Bayern-Anhänger auf das Anfeuern ihrer Teams. So habe ich das zumindest im TV mitbekommen.
Auf dem Rasen präsentierte sich der FC Schalke erstaunlich gut und hatte sogar die erste große Torchance. Guido Burgstaller traf nach energischer Vorarbeit von Weston McKennie den Querbalken, sein Seitfallzieher erinnerte ARD-Experte Thomas Broich „etwas an Zlatan“ – den großen Ibrahimovic.
Burgstaller hatte seit unzähligen Minuten nicht mehr getroffen und einige Minuten später schien die Leidenszeit endlich vorbei: Doch er stand knapp im Abseits, das Tor zählte nicht. Der schnelle Rabbi Matondo hatte vorher gezeigt, wie die Bayern-Abwehr aufgemischt werden kann. Schalke sei überraschend selbstbewusst, konstatierte Broich und Torhüter Markus Schubert, der den zuletzt indisponierten und zukünftigen Bayern-Keeper Alexander Nübel ersetzte, wirkte sehr sicher. 

 Kimmich traf nach Ecke

So ab Minute 25 übernahm der FC Bayern das Kommando, die defensiven Schalker kamen gar nicht mehr nach vorne. Souverän und ballsicher frästen sich die Münchner in die Gelsenkirchener Abwehr, viele Spielzüge leitete Innenverteidiger David Alaba ein. Alaba begeisterte auch den ARD-Experten. Schalke verteidigte immer noch gut, doch das 0:1 durch Joshua Kimmich konnten sie nicht verhindern. Es schien alles nach Plan zu laufen.
Schalke stand nach der Pause weiter tief, doch die Gäste blieben reserviert. Ein Lattenknaller von Philippe Coutinho riss ein wenig aus der Lethargie und dann auf einmal hatte Schalke durch den gerade eingewechselten Benito Raman die große Chance zum Ausgleich. Matondo war mal wieder losgeflitzt.
Das Team von David Wagner presste nun deutlich früher. Die Heimfans wurden wieder lauter, auch Broich stellte – ein wenig verhalten – fest, dass Schalke jetzt dran sei. Aber der Rekordmeister wankte nicht, kontrollierte weiter das Spiel, ohne zu brillieren. „Es war ein angedeuteter Pokalfight“, bilanzierte Broich später und lobte „Attitüde und Kampfgeist“ der Blauen. Aber die Bayern „waren einfach zu stark“.
„Manchmal ist nicht mehr möglich“, sagte Torschütze Joshua Kimmich nach dem Spiel. Er zeigte sich überrascht über das defensive Schalker 5-4-1, Kollege Manuel Neuer war sogar ein wenig pikiert über die sehr vorsichtigen Gastgeber. Den Ur-Schalker Neuer pfiffen die Zuschauer aus, aus dem Schalker Fanblock kamen „Hurensohn-Sprechchöre“. Aber keine Ermahnungen durch Schiedsrichter Tobias Stieler. „Neuer ist nicht Hopp“, titelte Der Spiegel 



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