FC verlängert weiter den Karneval
SC Paderborn 07 – 1.FC Köln 1:2 (0:2), Benteler Arena Paderborn, 06.03.2020, DAZN
Der Rheinländer an sich neigt in Erfolgssituationen zur
Euphorie. Das gilt besonders für den 1.FC Köln, der gestern 2:1 beim SC
Paderborn 07 siegte. „Europapokal, Europapokal“, skandierten die FC-Fans.
Acht der letzten zehn Spiele haben die Kölner gewonnen, nur gegen Dortmund
und Bayern verloren sie. Für den Tabellenletzten Paderborn rückt der direkte
Wiederabstieg deutlich näher.
Irgendwie konnten die Paderborner einem im Laufe der Saison
leidtun. Da spielten sie auch als Abstiegskandidat immer mutig nach vorne,
ärgerten zum Beispiel den BVB beim 3:3 (nach 3:0-Führung) und den FC Bayern
beim 2:3 vor 14 Tagen. Doch das Team von Trainer Steffen Baumgart belohnte sich
nicht für ihr gutes Spiel. Und so stehen sie am Tabellenende – wo allerdings
sie jeder aufgrund Team und Etat erwartet hatte.
Gestern kickten die Ostwestfalen jedoch über weite Strecken
schlecht. Natürlich machten die Kölner das gut, verdichteten immer wieder die Räume
und ließen dem SCP kaum Platz. Paderborn hatte keine Ideen, fand kaum Lücken
und spielte viele, viele Fehlpässe.
Köln kontrollierte die Partie, doch große Torchancen erspielte
sich der FC nicht. Doch der Beobachter sah das gestiegene Selbstvertrauen der
Elf von Trainer Markus Gisdol, der bei seinem Start im November
2019 als C-Lösung galt. Diese Wertung entpuppte sich dann schnell
als Nonsens.
Die Gäste schossen zwei Tore durch Jorge Meré und Jonas
Hector, beide Mal lieferte Heimkehrer Mark Uth die Vorarbeit. Besonders der
Kunstschuss von Nationalspieler Hector verdiente das Prädikat Extraklasse.
„Hinten seriöse Sacharbeit, vorne vernetzen sich die Kölner ganz gut“, formulierte DAZN-Kommentator Robert Hunke. „Paderborn haut sich voll rein, aber die letzte Qualität fehlt“, meinte Experte Jonas Hummels. Es war über weite Strecken ein ziemlich ödes Spiel, manchmal richtig zerfahren.
Im zweiten Halbzeit hielt erst einmal der laute
Wechselgesang „Sch….DFB“ der beiden Fanblöcke wach. Paderborn mühte sich weiter,
der FC beschränkte sich auf die Verwaltung des Vorsprungs. Das Spiel wurde von
Minute zu Minute langweiliger, doch dann kam plötzlich nach 73. Minuten das
1:2. Es war der erste gute Spielzug der Paderborner: präzise Flanke von Pröger,
Srbeny vollstreckte sicher. Jetzt war auf einmal Leben im Spiel: Der SCP wehrte
sich gegen die Niederlage, kämpfte endlich wie ein Team am Abstiegsabgrund.
Beide Teams hatten noch Chancen, doch es blieb beim 1:2. „Big loose für
Paderborn“, dengelte Hunke.
Schweigen wäre manchmal schön
Wenn ich etwas vermisse bei DAZN, dann ist es die Option
Stadionton ohne Reporter. Besonders wenn Robert Hunke kommentiert, dessen Stil
ich ganz fürchterlich finde. Hunke erzählte, erzählte und erzählte – sein Experte
Jonas Hummels kam kaum zu Wort.
Hunke ist gut informiert, hat nicht nur den
kicker auswendig gelernt. Aber brauche ich wirklich die Information, dass
Trainer Baumgart in einem Zimmer über einer Paderborner Gaststätte in Waldnähe wohnt und dort
auch regelmäßig isst? Und dass das jetzt ein Ende habe, weil seine Familie von Berlin nach Paderborn ziehe. Was jedoch falsch sei, der Pressesprecher von Union habe ihn in der Pause
korrigiert.
Oder die Geschichte des eingewechselten Elvis Rexhbecaj, der
damals nur nach Wolfsburg wechselte, weil der VfL seinem Vater einen Job
besorgte? Natürlich verdient Steffen Baumgart alles Lob dieser Welt dafür, wie
er den SC Paderborn von der Dritten in die Erste Liga führte. Aber jeder
TV-Reporter lobt Baumgart und Paderborn und irgendwann im Endstadium der Saison
kann ich das nicht mehr hören. Und es muss nicht - so wie Hunke – mehrfach
betont werden.
Manchmal wünsche ich mir die Kommentatoren der TV-Frühzeit
zurück. Die nur den Spielernamen nannten und sich auf das Spielgeschehen
beschränkten. Obwohl das teilweise ziemlich öde war.
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