Der VAR sah alles


Atletico Madrid – FC Sevilla 2:2 (2:2), Wanda Metropolitano Madrid, La Liga, 07.03.2020, DAZN

Es war unterhaltsamer als erwartet: 2:2 trennten sich Atletico Madrid und der FC Sevilla und dabei spielte der Video Assistant Referee, kurz VAR, eine wichtige Rolle. In der Tabelle änderte sich nichts: Atletico (45 Punkte, Platz 5) bleibt zwei Zähler hinter Sevilla (47 Punkte, Platz 3). 

In Spaniens La Liga dominieren ganz klar die großen Zwei Real Madrid und FC Barcelona. Doch Atletico hatte in den letzten Jahren Tuchfühlung zu den beiden Giganten. In diesem Jahr schwächeln die Colchoneros allerdings ein wenig und zum ersten Mal gab es so etwas wie Kritik an Trainer Diego Simeone. Der Mann, der Madrids zweiten großen Klub seit seinem Antritt wieder zu einer Top-Adresse gemacht hatte: Spanischer Meister 2014, dazu Champions League-Finalist 2016 und 2014, zweimal unterlag man nach hartem Kampf dem Lokalrivalen Real. Dabei musste Simeone vor dieser Spielzeit einige wichtige Abgänge verkraften: Griezmann, Godin, Juanfran, Lucas Hernandez, Filipe Luis etwa. Die muss man erstmal ersetzen.
Am Samstag setzte nach verhaltenem Beginn der FC Sevilla die ersten Akzente. Schönes Anspiel von Jordan, Madrids Savic patze und der einst in Gladbach spielende Luc de Jong traf zum 1:0. Ziemlich abgebrüht, der Gast aus Andalusien. Die Gastgeber taten sich wie häufig schwer, das Spiel zu machen.
Gefährlich wurde es nach Standards und in der 32. Minute hatte der VAR nach Eckball den ersten Auftritt: Nach Überprüfung entschied Schiedsrichter Hernandez Hernandez (schöner Name) auf Handspiel von Diego Carlos auf Elfmeter für Atletico. Morata verwandelte zum Ausgleich.
Ich bin kein Freund des Videobeweises, er zerstört den ganzen Spielrhythmus. Auch in Spaniens La Liga dauert es ewig, bis eine Entscheidung fällt. Was auch das DAZN-Team Flo Hauser und Benny Lauth nervte. Und nachdem der Schiedsrichter lange mit dem Video-Assistenten über die Entscheidung gesprochen hatte, guckt er sich die Szene auch noch am Bildschirm an. Fünf Minuten lang war das Spiel unterbrochen. 

Gute Unterhaltung

Sevilla fühlte sich benachteiligt und diskutierte permanent mit Hernandez. Und kassierte flugs das 1:2 durch Joao Felix, den 126 Millionen Euro-Einkauf von Benfica Lissabon, der die Erwartungen noch nicht erfüllen konnte. Die Vorarbeit kam von Koke. Das ist einer der Favoriten des Autors, ein Mittelfeldspieler von unglaublicher Vielseitigkeit und einer der Macher von Simeones Atletico. Koke (voller Name Jorge Resurrección Merodio) kommt aus dem eigenen Nachwuchs.
Jetzt war Stimmung im Wanda Metropolitano, das Spiel wurde richtig gut. Der FC Sevilla besann sich wieder auf Fußball und hatte eine Riesenchance durch Reguilon, dessen Kopfball Oblak mit fantastischem Reflex parierte. Doch auch das Team von Julen Lopetegui, einst spanischer Nationaltrainer und Kurzzeitcoach bei Real Madrid, profitierte vom Video-Assistenten. 
Hernandez entschied mithilfe seines Kollegen auf Foulelfmeter, Trippier hatte Ocampos im Strafraum gefoult. Der Gefoulte verwandelte zum 2:2. Wieder dauerte es ewig, wieder guckte sich Hernandez noch mal nach dem Madrid-Gespräch die Szene am Bildschirm an. Das war in der 43. Minute und es folgten sieben Minuten Nachspielzeit. „Der VAR tat dem Spiel gut, es kam keine Langeweile auf“, meinte Experte Benny Lauth.
Die zweite Halbzeit war dann wesentlich verhaltener. Atletico war die aktivere Mannschaft, hatte noch einige Chancen, aber auch die Einwechslung des wuchtigen Diego Costa brachte keinen zählbaren Erfolg. Sevilla beschränkte sich weitgehend auf die Defensive und das Halten des 2:2. Nur Schiedsrichter Hernandez Hernandez sorgte für Hektik und verteilte sieben gelbe Karten in einer ansonsten fairen Partie. Aber in Spanien sind viele Unparteiische doch wesentlich freudiger mit dem Zeigen des Gelben Kartons.
Es blieb beim Unentschieden. „Das Spiel hat sein Pulver in der ersten Halbzeit verschossen“, befand Benny Lauth.   
  
Die Höhepunkte

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