Mutiges Leipzig stoppt defensives Tottenham


Tottenham Hotspur – RB Leipzig 0:1 (0:1), Tottenham Hotspur Stadium London, UEFA Champions League, Achtelfinale, 19.02.2020, DAZN

Nur die Chancenverwertung war nicht gut. Mit 1:0 gewann RB Leipzig bei Tottenham Hotspur und hat damit gute Chancen auf das Weiterkommen in der Champions League. Die Leipziger boten über weite Strecken eine starke Leistung gegen einen Gegner, der im letzten Jahr immerhin im Finale der Champions League stand und im Achtelfinale Borussia Dortmund besiegt hatte. Von diesem Format sind die Spurs derzeit allerdings weit entfernt. 

Manche Spitznamen sind doch reichlich dämlich: Baby-Mourinho etwa. So nannte Tim Wiese einst in Hoffenheim Julian Nagelsmann. Jetzt traf Nagelsmann (32), aufstrebender Trainer von RB Leipzig, auf seinen Kontrahenten José Mourinho (57), inzwischen Trainer bei Tottenham, und schon taucht „Baby-Mourinho“ wieder auf.  Der Deutsche möchte bestimmt mal die Erfolge von Mourinho erreichen, aber die Spielphilosophie beider Trainer könnte gegensätzlicher nicht sein. Denn der Portugiese steht für erfolgsbetonten Sicherheitsfußball. Oder wie es DAZN-Experte Ralph Gunesch formulierte: „Ein Trainer, der den Bus im Strafraum parkt“. Die Mannschaften von Nagelsmann hingegen spielen mutig nach vorne.
So war das auch am Mittwoch im neuen Spurs-Stadion: Leipzig legte los wie die berühmte Feuerwehr, hatte schon in den ersten fünf Minuten mehrere gute Einschussmöglichkeiten. Lloris, der auch gegen den BVB immer gut hielt, avancierte schon früh zum besten Spieler seines Teams.
Tottenham stand tief und wirkte gegen den RB-Tempofußball überfordert. Auch wenn bei den Gastgebern mit Harry Kane und Dortmund-Schreck Heung-min Son die besten Torschützen fehlten, war das doch eine sehr schwache Vorstellung. Neun Spieler hinter dem Ball mag zwar Mourinho-Taktik sein, die Heim-Fans allerdings verstummten nach lautem Beginn schnell. „Den Spurs fehlt das Werkzeug“, hatte auch Gunesch erkannt.
Nur Leipzig belohnte sich nicht: Nkunku, Schick und Werner wirbelten durch die Tottenham-Defensive, vergaben aber beste Möglichkeiten. Immer wieder schwenkte die Kamera auf Nagelsmann, der sich wegen der vergebenen Chancen ärgerte.

Spurs wachten spät auf

Torlos ging es in die Pause und die Spurs hatten die erste Chance. Doch danach kontrollierte RB weiter das Spiel. Besonders der schnelle Angelino auf links sorgte immer für viel Schwung. Selten war ein 1:0 so verdient, auch wenn es ein Elfmeter war, den Werner souverän verwandelte. Schick vergab danach nach starker Kombination das 2:0.
Lamela brachte neuen Schwung, aber gefährlich waren die Londoner nur bei Standards. Leipzig stand defensiv gut, offensiv passierte bei ihnen aber kaum noch etwas. Tottenhams Angriffen fehlte es jedoch an Fantasie.
Mourinho glaubt natürlich noch an die Wende, auch wenn sein Team Kane und Son vermissen wird. „Es ist, als wenn man zu einem Kampf mit einem Gewehr ohne Patronen geht“, sagte er. Aber die letzte halbe Stunde habe Mut gemacht. Immerhin war sein Team vorher in sieben Spielen ohne Niederlage.
Wenn ich Spurs-Fan wäre, würde ich mir allerdings Mauricio Pocettino zurückwünschen. Der Vorgänger von José Mourinho stand für mutigen Fußball (manchmal vielleicht zu mutig) und verkörperte damit das Gegenstück zum selbsternannten „The Special One“. Und erfolgreich war er ebenfalls.







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