Lässige Bayern stolpern fast noch
FC Bayern München –TSG Hoffenheim 4:3 (3:1), Allianz Arena München, DFB-Pokal, 05.02.2020, Das Erste
Alles schien nach Plan zu laufen: 3:1 lag der FC Bayern
München im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen die TSG Hoffenheim vorne und
beherrschte Ball und Gegner. Es war seine starke Leistung, doch nach dem 4:1 wechselte
der Rekordmeister in den Spar-Modus. Das in der zweiten Halbzeit deutlich
verbesserte Hoffenheim witterte seine Chance, kam noch auf 3:4 heran und sorgte
für einen unterhaltsamen Pokalabend.
Munas Dabbur hätte zum Helden des Tages werden können. Nicht,
dass der Israeli schlecht gespielt hätte. Im Gegenteil, der Wintereinkauf der
TSG Hoffenheim brachte noch einmal richtig Schwung ins Spiel und traf bei der
Aufholjagd gegen die Bayern zum 2:4 und 3:4. Doch der Stürmer, der zuletzt beim
FC Sevilla spielte und davor ein treffsicherer Schütze
bei RB Salzburg und Grasshopper Zürich war, hatte sogar noch eine weitere
hundertprozentige Chance. Völlig frei stand er vor dem Bayern-Tor, sein
Kopfball ging jedoch knapp vorbei. Vorher hatten zudem Baumgartner und Zuber
gute Chancen. Bayern München stand kurz vor der Verlängerung.
Dass es überhaupt so weit kam, damit hatte nach dem Verlauf
der ersten Halbzeit niemand gerechnet. Bayern war hoch überlegen, steckte die
Hoffenheimer Führung schnell weg und beherrschte den Gegner in allen Belangen. Die
Münchner zelebrierten richtig Fußball. Zur Pause lagen sie 3:1 vorne – Chancenverhältnis
8:2.
ARD-Kommentator Florian Nass und Experte Thomas Broich lobten
dann auch die Münchner fast schon übertrieben. Besonders Nass haute eine Eloge
nach der anderen heraus, pries neben Bayern-Coach Hansi Flick auch TSG-Trainer
Alfred Schreuder etwas zu sehr.
Fakt ist jedoch, dass Flick den FC Bayern nach der
Entlassung von Niki Kovac deutlich besser gemacht hat. Ein Indiz dafür auf dem
Feld: Das „intensive Pressen- und Gegenpressen“. Das sei, sagt Broich, ein „großer Unterschied zum Anfang der Saison.“
Flick wie Jupp Heynckes
Vieles erinnert an die letzte Trainer-Zeit von Jupp Heynckes.
Der Altmeister löste im Oktober 2017 Carlo Ancelotti ab und brachte als
Notlösung die Bayern wieder in Form. Unter ihm spielte das Starensemble eine
ganz starke Spielzeit. Und seine Spieler sagten nur Gutes über ihn, in München
verehren sie Heynckes fast so wie Klopp in Dortmund.
Die Alphatiere des FCB mögen offenbar Hansi Flick ebenso. „„Den
Umgang mit den Stars hat er gelernt beim DFB“, erinnert Nass an Flicks Zeit als
Assistenztrainer von Joachim Löw. Von Niko Kovac spricht jedenfalls niemand
mehr.
In der Form der ersten Halbzeit jedenfalls erübrigt sich die
Frage nach dem Deutschen Meister 2020. Dann werden sie wie immer in den letzten
Jahren Champion und es drohen wieder routinierte Meisterfeiern. Auf denen sich
dann viele nicht richtig freuen können, wenn der FC Bayern erneut in der
Champions League scheitert.
Die Form der zweiten Halbzeit sollte der Konkurrenz Hoffnung
machen. Nicht nur, weil die Bayern spätestens nach dem 4:1 die Arbeit
einstellten. Auch weil Hoffenheim endlich gut wurde und Trainer Schreuder mit
Baumgartner und eben Dabbur noch mal offensiven Schwung einwechselte.
Die Bayern wirkten gar nicht mehr souverän, die Kompaktheit
auf dem Platz ging verloren. „Eine Niederlage, aus der Hoffenheim viel
Positives ziehen kann“, bilanzierte Florian Nass. Aber aus dem DFB-Pokal sind
sie dennoch raus.
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