Haaland übertrumpfte Neymar und Mbappé
Borussia Dortmund – Paris Saint-Germain 2:1 (0:0), Signal-Iduna-Park Dortmund, UEFA Champions League, Achtelfinale, 18.02.20201, DAZN
2:1 schlug Borussia Dortmund Paris Saint-Germain im
Achtelfinale der Champions League. Dabei machte mal wieder ein junger Norweger
mit dem Namen Erling Haaland den Unterschied. Seine beiden Tore lassen die
Borussia hoffnungsfroh zum Rückspiel nach Paris fahren.
Es war natürlich nicht der 19-jährige Stürmer allein,
der den Dortmunder Erfolg gegen das Pariser Starensemble sicherte. „Es war eine
fast perfekte Vorstellung“, bilanzierte Axel Witsel nach Abpfiff und recht
hatte er. Denn Borussia Dortmund hatte Neymar, Mbappé und Co.lange Zeit im Griff,
verdichtete immer wieder die Räume und ließ wenig PSG-Offensivaktionen zu. Es
war eine souveräne Teamleistung.
Aber Haaland war auch gegen Paris Saint-Germain der Mann für
die Entscheidung. Er ist keiner dieser Stürmer, der vorne auf Bälle wartet.
Erling Braut Haaland marschiert einfach los Richtung Tor. Dabei hilft ihm seine
körperliche Wucht. „Er will unbedingt, hat zwar keinen besonderen Trick, aber
er setzt sich dennoch durch“, analysierte DAZN-Experte Per Mertesacker, selbst
bekanntlich ein Innenverteidiger hohen Formats. Schon in Halbzeit 1 gab es eine
typische Szene, als Haaland quasi durch Thiago Silva und Marquinhos lief und
abzog – nur diesmal noch ohne Erfolg.
„Eine Naturgewalt“, nannte ihn BVB-Boss Hans-Joachim Watzke,
ein „Tier“, sagte PSG-Trainer Thomas Tuchel und meinte das nicht
despektierlich, denn in der Sportlersprache steht dieser Begriff für große
Energie. Für Tuchel war es bekanntlich die Rückkehr nach Dortmund, wo er einst
erfolgreich trainierte, aber nicht nur mit Watzke Probleme hatte.
Doch das war alles vergessen: „Ein Traum sei es gewesen,
Trainer der Borussia zu sein“, hatte Thomas Tuchel vor dem Spiel gesagt. „Für
die zwei Jahre bin ich sehr dankbar.“ Sein Team hatte er eher defensiv
aufgestellt, die Stürmer Icardi und Cavani blieben auf der Bank. Mit Neymar und
Kylian Mbappé standen immer noch zwei Ausnahmekönner auf dem Rasen.
So gab es zwar ein sehr intensives Spiel zweier technisch
starker Teams, allerdings blieben Torszenen Mangelware. Neymar bot nur einige
Falleinlagen, Mbappé blieb eher unscheinbar. „PSG schläfert sich selber ein“,
meinte Mertesacker. Der defensive Mittelfeldmann Verrati war der auffälligste
bei den Gästen.
Aber auch der BVB ging nicht volles Risiko. Es war zwar
schön anzuschauen, wenn Sancho, Hakimi oder Guerreiro in Hochgeschwindigkeit
kombinierten, aber der letzte entscheidende Pass fehlte.
Can passt zum BVB
Nach der Pause ging es so weiter. Die Borussia bestimmte das
Spiel, doch torgefährlich wurde sie nicht. Bis dann Haaland endlich den Bann
brach nach schöner Kombination. Jetzt aber schlug Paris zurück: Mbappé überspielte
den ausrutschenden Zagadou (ansonsten herausragend) und Neymar musste nur noch
vollenden.
Doch wer nun dachte, die Millionentruppe von Katars Gnaden
schaukelt das Ergebnis nachhause, hatte die Rechnung ohne Haaland und den
eingewechselten 17-jährigen Giovanni Reyna gemacht. Dieser bereitete vor und
Haalands „Fackel“ sorgte für die erneute Dortmunder Führung – nur zwei Minuten
nach dem Ausgleich. Das Stadion tobte und der BVB verteidigte seinen Vorsprung
mit viel Leidenschaft.
„Ein couragierter Auftritt der Dortmunder“, lobte Per
Mertesacker. „Er war eine dieser Nächte, für die man als Fußballer lebt“, meinte Haaland im
DAZN-Interview und sagte ganz bescheiden, dass er noch viel lernen müsse.
„Wir haben sehr gut verteidigt und immer Nadelstiche
gesetzt“, erklärte Emre Can, der andere Winter-Neuzugang des BVB. Mit ihm und
Haaland könnte Dortmund Volltreffer gelandet haben. Denn Can, von Juventus
Turin gekommen, bringt eine andere Spielweise in die manchmal doch etwas naive
Dortmunder Techniker-Truppe. Einer, der auch mal dazwischen geht, einer, der
sich für das Wohl der Mannschaft aufreibt.
Solche Spieler liebt das Dortmunder Publikum. Can und
Haaland erfüllen diese Sehnsüchte.
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